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Solarstrom von der Aschedeponie

27. November 2013 | Hürth | Rhein-Erft Rundschau | Autor: Andreas Engels

Auf der Kraftwerksasche wird künftig neue Energie gewonnen: Fast pünktlich zur Wintersonnenwende soll im Dezember ein Solarkraftwerk auf der Deponie "Vereinigte Ville" am Fuß des Knapsacker Hügels ans Netz gehen.

Auf der Kraftwerksasche wird künftig neue Energie gewonnen: Fast pünktlich zur Wintersonnenwende soll im Dezember ein Solarkraftwerk auf der Deponie „Vereinigte Ville“ am Fuß des Knapsacker Hügels ans Netz gehen. Mit einer Leistung von drei Megawatt wird es 2,8 Millionen Kilowattstunden CO2 -freien Strom pro Jahr erzeugen – das reicht zur Versorgung von 800 Haushalten. Neben dem Energiekonzern RWE können sich auch Bürger an der Finanzierung der 2,8 Millionen Euro teuren Anlage beteiligen.

Derzeit montieren Mitarbeiter der Firmen Sybac Solar und Belectric die letzten von insgesamt 24 000 Photovoltaik-Modulen auf die einbetonierten Stahlgestelle. Der Solarpark dehnt sich auf einer Fläche von rund sechs Hektar aus, das sind umgerechnet mehr als zwei Fußballplätze. Bis in die 1980er Jahre wurde dort Asche aus dem benachbarten Goldenbergkraftwerk abgekippt.

Standort mit Symbolcharakter

Neun Monate lang haben die Planungen für den Solarpark gedauert. Im Sommer stand das Projekt schon vor dem Aus. Strafzölle auf chinesische Solarmodule und die geplante Strompreisbremse hätten dafür gesorgt, dass „die Preise durch die Decke“ gegangen seien und die Anlage damit unwirtschaftlich geworden wäre, erklärt Projektleiter Hans-Joachim Dunkel von RWE. Die Firma Sybac habe dann japanische Module anbieten können, die in Rotterdam im Freihafen lagerten und ursprünglich für ein anderes Projekt gedacht waren. Schließlich wurden die Sonnenkollektoren auf 50 Lastwagen nach Hürth transportiert.


 
Andreas Warning, Christoph Pohlmann („BürgerEnergie), Martin Köther, Hans-Joachim Dunkel (RWE), Joachim Kohtes (Raiba) und Ingo Konert (Sybac Solar, v.l.).

Der Standort des Solarkraftwerks mitten im Rheinischen Braunkohlerevier hat für Martin Köther, Leiter der Abteilung Bauwesen bei RWE Power, auch symbolische Bedeutung. „Das ist ein Signal für das Zusammenspiel von Erneuerbaren Energien und Braunkohle“, betont er. „Unsere flexiblen Braunkohlekraftwerke produzieren auch dann, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.“

Allerdings will RWE das Solarkraftwerk nicht allein betreiben. Dazu sei es nicht wirtschaftlich genug, räumt Projektleiter Dunkel ein: „Wir stehen den Aktionären gegenüber in der Pflicht.“ Für Kleinanleger sei die Investition dagegen durchaus lohnend. Ihnen versprechen die Betreiber eine Rendite von mindestens drei Prozent auf ihr eingesetztes Kapital, und das über einen Zeitraum von 25 Jahren.

Gebaut und betrieben wird der Solarpark auf der Deponie von der Energiepartner Projektgesellschaft. Davon gehören 49 Prozent dem Energiekonzern RWE, 51 Prozent der Anteile hält die Genossenschaft „Die BürgerEnergie“. „Wir bringen das Know-how und die energiewirtschaftlichen Kenntnisse ein“, so Projektleiter Dunkel. Die Hälfte der Finanzierung übernimmt die Raiffeisenbank Frechen-Hürth, die bereits eine Solaranlage auf einem zwei Kilometer langen Lärmschutzwall entlang der neuen Trasse der Autobahn 4 bei Kerpen-Buir mitfinanziert hat.

Wer sich an dem Solarpark beteiligen will, kann Genossenschaftsanteile bei der „BürgerEnergie“ erwerben, die bereits in drei Photovoltaik-Anlagen und einen Windpark investiert hat. Ein Einstieg ist bereits ab 50 Euro möglich, für bis zu 5000 Euro können einzelne Bürger Anteile erwerben. Damit sichern sie sich auch ein Mitspracherecht bei künftigen Vorhaben. Projektleiter Dunkel ist davon überzeugt, dass die Anlage am Knapsacker Hügel die „Keimzelle“ für weitere Projekte dieser Art sein wird. Flächen gebe es in diesem Bereich jedenfalls noch genügend.

Durch das Projekt könnten sich, so RWE-Bauleiter Köther, auch Bürger an der Energiewende beteiligen, die als Mieter kein eigenes Dach haben, um selbst eine Photovoltaikanlage zu installieren. Andreas Warning, einer der ehrenamtlichen Vorstände der Genossenschaft, hofft darüber hinaus, dass auch andere Energiegenossenschaften einsteigen, die zwar über finanzielle Mittel verfügten, aber bislang kein geeignetes regeneratives Projekt gefunden hätten.